Wissensbegriff

Selbstregulation

Selbstregulation ist die Fähigkeit, eigene Gefühle, Impulse und Aufmerksamkeit wahrzunehmen und so zu steuern, dass Handeln auch in schwierigen Momenten möglich bleibt.

Bedeutung für Schule und Klassengemeinschaft

Selbstregulation hilft Kindern und Jugendlichen, mit starken Gefühlen umzugehen, ohne dass diese das Handeln vollständig bestimmen. Sie zeigt sich zum Beispiel, wenn jemand nach einer Enttäuschung wieder in eine Aufgabe findet, bei Ärger nicht sofort losschreit oder merkt, dass eine Pause nötig ist.

Das bedeutet nicht, Gefühle wegzudrücken. Ärger, Aufregung, Scham oder Frust sind reale und wichtige Signale. Selbstregulation bedeutet, sie wahrzunehmen und einen Umgang damit zu finden, der für sich selbst und andere möglichst hilfreich ist.

Pädagogische Einordnung

Diese Fähigkeit entwickelt sich schrittweise und hängt stark von Situation, Tagesform und Sicherheit ab. Ein Kind kann sich in einem vertrauten Rahmen gut steuern und in einer unübersichtlichen Gruppe schnell überfordert sein. Deshalb ist Selbstregulation keine feste Charaktereigenschaft und kein Maß für „brav sein“.

Hilfreich sind klare, verlässliche Strukturen, verständliche Sprache für Gefühle und die Erfahrung: Ich darf mir Unterstützung holen. Auch Erwachsene tragen Verantwortung dafür, Bedingungen zu schaffen, in denen Selbstregulation gelingen kann.

Praxisbezug für Sozialkompetenztrainings

Aktive Gruppenaufgaben bringen Spannung, Freude und manchmal Frust mit sich. Das ist pädagogisch wertvoll, wenn die Situation sicher begleitet und anschließend kurz reflektiert wird. Kinder können wahrnehmen: Woran habe ich gemerkt, dass ich gestresst war? Was hat mir geholfen? Wann hat die Gruppe Druck erhöht oder Entlastung ermöglicht?

So entstehen konkrete Strategien, die in die Klasse passen – etwa kurz innehalten, Hilfe anfordern, eine Aufgabe neu erklären lassen oder einen Konflikt erst ansprechen, wenn alle wieder zuhören können.

Abgrenzung

Selbstregulation darf nicht zur Forderung werden, Kinder müssten belastende Situationen einfach aushalten. Bei Überforderung, wiederholter Ausgrenzung oder fehlender Sicherheit braucht es Veränderungen der Situation und verlässliche Unterstützung durch Erwachsene.

Autor: Hermann Schmidt · Aktualisiert: 25.07.2026